7. Dezember 2014

[Rezension] - Du oder sie oder beide (Maike Stein)






Verlag: Magellan Verlag
Übersetzt von: -
Reihe: Einzelband
Einband: gebunden
Seitenanzahl: 400
Altersempfehlung: ab 13
Preis: 16.95 € [D]
ISBN: 978-3-7348-5002-8
Bildquelle: © Magellan Verlag






Klappentext
„Wasser hat den Zwillingen Lena und Zoe nie Angst gemacht. Und doch – hier auf Sankt Katharinen, der Internatsinsel im Werrowsee, jagt ihnen der Anblick des Wassers immer wieder eine Gänsehaut über den Rücken. Denn schon bevor sie an der Schule aufgenommen wurden, kannten sie den See und seine unheimliche Atmosphäre aus ihren Träumen. Bilden sie sich das ein? Genauso wie die Parallelen zwischen der Prophezeiung der sagenumwobenen Weißen Frau und ihrer eigenen Familiengeschichte? Während Zoe sich immer mehr in den Deutungen der alten Überlieferung verliert, sucht Lena nach rationalen Gründen für all die seltsamen Ereignisse – und gerät bald in Erklärungsnot.“ (Quelle: http://www.magellanverlag.de/)

Gestaltung
Zu einem ganz besonderen Roman wie „Du oder sie oder beide“ gehört auch eine ganz besondere Gestaltung! Schon allein das grandiose Cover sticht sofort ins Auge. Die Bordüre am Rand und das schwarzgraue Muster wirken sehr elegant und umrahmen das „doppelte Mädchen“ im Zentrum des Covers schön. Auch der Zusammenhang dieses Mädchens zur Geschichte gefällt mir ausgesprochen gut, da sie von Zwillingen handelt und das Mädchen durch die Doppelung diese symbolisiert. Auch der Titel, der mit Spotlack versehen und leicht erhoben ist, kommt durch den Rahmen perfekt zur Geltung. Zudem ist auch die innere Gestaltung sehr schön, da das äußere Muster unter dem Schutzumschlag das gesamte Buch verziert.

Meine Meinung
„Du oder sie oder beide“ handelt von den Zwillingen Lena und Zoe, die auf eine kleine Insel auf ein (Sport-)Internat gehen, da sie Leistungsschwimmerinnen sind. Dort entdecken die beiden einen Fluch, der auf bestimmten Zwillingen zu liegen scheint und der bei diesen eine Krankheit  auslöst. Auch Zoe ist davon betroffen, während der Fluch auf Lena keine Auswirkungen zu haben scheint. Um Zoe und auch andere Zwillinge, die auf das Internat gehen, zu retten, begeben sich Lena und Zoe auf die Suche nach der Lösung. Ein Spiel gegen die Zeit und ein großes, spannendes Rätselraten beginnen.

In diesem Zusammenhang ist vor allem der Titel sehr schön gewählt, da er den Zwiespalt bzw. die Grundproblematik des Romans aufgreift und verdeutlicht: Wer muss am Ende sterben?  Wer wird überleben? Lena oder Zoe? Vielleicht schafft es auch keine von beiden. Wer wird es also sein: Du oder sie oder doch beide? Genau diese Fragen sind es, die den Leser antreiben, nachdem es ab ungefähr der Hälfte des Romans einen ersten Weg zur Lösung des Fluches gibt, immer weiter und weiter zu lesen.

Generell haben die Rätsel und die Mystik mich beim Lesen die ganze Zeit über mitgerissen und dazu angetrieben Seite um Seite zu verschlingen. So hing ich an „Du oder sie oder beide“ trotz einiger Passagen, in denen nicht viel passiert und bei denen man sich tendenziell eher langweilt. Es war spannend, da man einfach mitfiebert, wie und ob die Zwillinge es schaffen können, den Fluch zu brechen und zu überleben. Die nicht ganz so interessanten Szenen (u.a. wenn ziemlich viel über das Alltagsleben und das Schwimmtraining berichtet wird) machen einem dadurch, dass man wissen will, was hinter dem Zwillingsrätsel steckt und ob Lena sowie Zoe dem Fluch entkommen, nicht so viel aus, da man zum Weiterlesen angetrieben wird.

Am besten haben mir die mystisch, mysteriösen Andeutungen gefallen, durch die „Du oder sie oder beide“ perfekt in die herbstlich kühle, düstere Jahreszeit passt. Aspekte wie Zoes Visionen, gruselige Legenden oder nächtliche (Bannkreis-)Rituale gepaart mit Internatsatmosphäre sorgten bei mir für viele Gänsehautmomente. Hinzukommt dass der Roman so atmosphärisch dicht war, dass ich in der Geschichte, den Rätseln und der Mystik komplett gefangen genommen war.

Eingeteilt ist „Du oder sie oder beide“ in mehrere große, kapitelähnliche Abschnitte, die jeweils immer einen Monat als Überschrift haben und die zu der Zeit stattfindenden Erlebnisse erzählen. Unterteilt wird diese „Grobeinteilung“ in kleinere Abschnitte, in denen aus der Sicht jeweils einer der Protagonistinnen (entweder Lena oder Zoe) berichtet wird. Diese kleineren Abschnitte beginnen immer mit einer Mondphase, die zu Beginn der Passage dickgedruckt ist.

Diese Mondphasen waren für mich etwas problematisch. Mit der Zeit werden die ganzen Phasen einfach zu viel, um den Überblick zu behalten. Als Leser weiß man, dass sie eine Bedeutung haben, da man einen Zusammenhang zwischen dem Mondrhythmus und Zoes Träumen vermutet (und später die Bestätigung erhält, dass es auch einen gibt). Allerdings ist es zu Beginn schwierig zu erkennen, bei welchem Mondstand Zoes Zustand schlimmer wird und bei welchem besser. So nimmt man die Phasen irgendwann einfach nur noch so hin, ohne sie weiter wahr zu nehmen und tiefergehend darüber nachzudenken.

Auf den typischen Ich-Erzähler wurde bei „Du oder sie oder beide“ verzichtet. Stattdessen findet sich hier ein personaler Erzähler in der 3. Person Singular, durch den man abschnittsweise Zoes oder Lenas Erlebnisse erfährt. Hier hatte ich allerdings manchmal Probleme damit, immer sofort klar und deutlich zu erkennen, wer der beiden nun berichtet. Durch das ständige „sie“ und „ihr“ ist man bei einem Wechsel der Abschnitte zunächst verwirrt, ob Lena oder Zoe gemeint ist. Mit der Zeit gewöhnt man sich allerdings daran, sodass es immer seltener zu Verwirrungen kommt.

Die Sprache ist teilweise sehr umgangssprachlich und lies mich an manch einer Stelle stoppen, weil mich die Wortwahl irritiert hat. Zu Beginn gab es nur in der wörtlichen Rede Umgangssprache, aber in der zweiten Hälfte des Romans gab es auch in Erzählpassagen Wörter wie beispielsweise „Zeugs“ oder „nix“. Da hätte ich es bevorzugt, wenn dort „Zeug“ oder „nichts“ gestanden hätte.

Angenehm fand ich auch, dass die Zwillinge Zoe und Lena so grundverschieden waren. Jede hatte ihre eigenen Charakterzüge und –eigenschaften, sodass sie einfach sehr individuell waren. Allerdings muss ich auch sagen, dass mir Lena besser gefallen hat als Zoe, da Zoes Verhalten und ihre gesamte Art (gerade zu Beginn) eher an ein 12jähriges Kind erinnert und nicht an einen Teenager. Sie ist oft ängstlich, hängt an ihrer Schwester oder versteckt sich schüchtern. Lena hingegen war taff, selbstbewusst und stand für ihre Schwester ein. Sie passte für mich zu einer 16jährigen.

Zudem gab es auch für jede Schwester eine sanfte Liebesgeschichte, die bei beiden jedoch  im Hintergrund der Handlung stand und so eher eine nebensächliche Rolle spielte. Der Fokus lag stets auf den Rätseln sowie der Mystik und nie auf den Liebesgeschichten, sodass sich die Handlung und Spannung gut entfalten konnte. Aber dennoch schafft Maike Stein es, das Gefühl bei den Beziehungen für den Leser greifbar zu machen. So konnte man sich sehr gut in die Beziehungen (und das damit einhergehende auf und ab) zwischen Lena und dem Tutor Roch sowie zwischen Zoe und der Mitschülerin Sophie hineinversetzen. Aber eindeutig am besten gefallen hat mir die Beziehung zwischen den beiden Schwestern. Die Innigkeit ihrer Verbindung war wirklich sehr emotional und intensiv beschrieben und somit leicht nachzuvollziehen, auch für Nicht-Zwillinge.

Fazit
„Du oder sie oder beide“ brilliert durch eine spannende Handlung, die den Leser vor allem aufgrund der Mystery Elemente zu fesseln sowie mitzureißen weiß. Auch nicht so spannende oder interessante Szenen halten nicht vom Weiterlesen ab, da man so sehr miträtselt und mitfiebert, dass sie einem nichts ausmachen. Die dichte Atmosphäre, die vielen Gänsehautmomente und vor allem die greifbaren Gefühle erzeugen eine Sogwirkung durch die der Leser das Buch nicht aus der Hand legen kann. Auch die Beziehungen zwischen den Figuren sind sehr nachvollziehbar geschildert und vor allem die zwischen den Zwillingen ist wundervoll dargestellt. Einzig die teilweise störende Umgangssprache sowie der Erzähler in der 3. Person und die Mondphasen am Anfang eines jeden Abschnittes, die gerade zu Beginn des Buches etwas unübersichtlich sind, haben mir nicht so gut gefallen.
4 von 5 Sternen!

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Einzelband

Kommentare:

  1. Warst du aber schnell, ich brüte noch über meiner Rezension :D

    Aber sehr schön hast du das geschrieben, und auch noch so treffend! Ich bin immer noch ein wenig zwiegespalten über das Buch.. Es ist so toll, aber... so viel Kritik.. die eigentlich keine ist... aber irgendwo auch schon... Herrje D:

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    1. Schnell? :D Ich hab zwei Abende dran gesessen und gefeilt ;) Es ist so schwer, ohne viel vom Fluch zu verraten, die ganzen tollen Dinge zu beschreiben :)
      <3 Danke! :) Hach ja, ich weiß was du meinst! :) Ich war auch hin und her gerissen :)

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  2. Huhu mein liebstes Skychen <3

    ich war ja die ganze Zeit über sehr gespannt auf deine Rezi. Du hast mich ja eh schon sehr neugierig gemacht und durch deine tollen Beschreibungen bin ich das jetzt noch mehr ;)

    All zu lange wird das Buch sicher nicht auf meinem SUB bleiben, 2015 wird auf jeden Fall ein Magellan Jahr werden :)

    Drück dich, deine Ally

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    1. Hallo Allylein :-*
      Das Buch wird dir bestimmt gefallen! Ich bin mir sooo soo sicher :) Eigentlich würde es auch jetzt sehr gut in diesen Sturm passen, das würde so richtig in die perfekte Stimmung versetzen (auch wenn da im Buch Sommer ist, ist es trotzdem manchmal echt bedrückend und unheimlich :) Gerade dann wenn sie nachts über einen Friedhof schleichen ;) ).
      OH JA! Bei mir wird 2015 auch sehr "magellanisch" ;) Ich freu mich auch schon sehr auf das neue Programm! Da stehen alle Jugendbücher von auf meiner WuLi :D Aber ganz besonders "Kirschen im Schnee" und..ach alle <3 :D
      Küsschen <3

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  3. Hallo Skyline :)

    mir hat das Buch auch sehr gut gefallen, obwohl es sonst eigentlich nicht so mein Genre ist. Ich war sehr überrascht, nachdem ich die ersten Seiten gelesen hatte, da ich eher eine Familiengeschichte erwartet hatte. Mich hatte da das Cover ein bisschen irritiert :)

    Liebe Grüße

    Diana

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    1. Hi Diana!
      Ich hatte schon, gerade nach lesen des Klappentextes, ein wenig auf Mystery Aspekte gehofft, aber dass sie dann doch so dominant greifbar waren, hat mich überrascht und mir sehr gut gefallen :) Sowas habe ich bisher auch noch nicht erwischt, darum gefiel es mir vermutlich auch so gut ;)
      Warum hat dich das Cover denn irritiert?
      Ganz liebe Grüße!

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    2. Hallo Skyline,

      ich hatte einfach etwas ganz anderes erwartet hinter dem Cover, eine Familiengeschichte o.ä.. Das Cover wirkt so ruhig und friedlich und das hat mich ein bisschen irritiert, da ich eben nicht mit einer Mystery-Geschichte gerechnet hatte. Dennoch hat es mir sehr gut gefallen.

      Liebe Grüße

      Diana

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    3. Huhu! :)
      ja stimmt, das Cover ist eher ruhiger, aber durch den dunklen Rand auch irgendwie...düster mystisch, ein wenig :) Wobei das Mädchen ja eher sommerlich wirkt mit der Farbgebung und so. Aber du wurdest dann ja positiv überrascht ;D
      LG

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