8. August 2017

[Rezension] - Mein Name ist nicht Freitag (Jon Walter)






Verlag: Königskinder Verlag
Übersetzt von: Josefine Haubold
Reihe: Einzelband
Einband: gebunden
Seitenanzahl: 448
Altersempfehlung: ab 14
Preis: 18.99 € [D]
ISBN: 978-3-551-56020-9
Bildquelle: © Königskinder Verlag






Klappentext
"Samuel ist bei Gott. Seltsam nur, dass es im Himmel stockdunkel ist, die Vögel trotzdem singen und dass er gefesselt ist. Als er vor Gottes Angesicht tritt, sieht der eher aus wie Der Teufel. Und Der Teufel nennt ihn Freitag und verkauft ihn als Sklaven an einen weißen Jungen, der gerade mal so alt ist wie Samuel. Für 600 Dollar. Er kommt auf eine Plantage in Mississippi, wo es keinen interessiert, wer er ist, dass er lesen kann, dass er zu seinem kleinen Bruder muss. Aber der Bürgerkrieg rückt immer näher – und damit auch die Hoffnung auf Freiheit.“ (Quelle: www.carlsen.de/koenigskinder)

Gestaltung
Bei dieser Gestaltung passt wirklich alles haargenau aufeinander: die verschiedenen Farben des Covermotivs, die Farben und die Gestaltung des Buches unter dem Schutzumschlag. Das zweigeteilte Motiv auf dem Cover gefällt mir dabei besonders gut, denn die beiden Hände, die einander halten spiegeln sehr schön einen Part der Geschichte wieder. Gleichzeitig gefällt mir das Motiv mit den schwarzen Ästen und der Schattengestalt auch richtig gut.

Meine Meinung
Der Autor Jon Walter war mir schon durch sein anderes im Königskinder Verlag erschienenes Buch, welches ebenfalls ein ernsteres Thema aufgreift, ein Begriff. Ich hatte es jedoch bisher noch nicht geschafft, eins seiner Werke zu lesen. Mit „Mein Name ist nicht Freitag“ habe ich dies nun geändert. In diesem Buch greift der Autor das Thema der Sklaverei zur Zeit des Bürgerkrieges auf. Eine Thematik, über die ich persönlich bisher noch kein Buch gelesen habe. Und genau deswegen hat mich diese Geschichte auch besonders gereizt.

In „Mein Name ist nicht Freitag“ geht es um die Waisenbrüder Samuel und Joshua. Samuel liebt seinen kleinen Bruder so sehr, dass er dessen Schuld auf sich nimmt und dafür auf dem Sklavenmarkt landet, von nun an den Namen Freitag tragend. Zum Glück hat er Gott an seiner Seite, mit dem er immer Zwiesprache halten kann und durch den er Stärke gewinnt, denn sein neues Leben ist alles andere als leicht und dabei muss er doch eigentlich zu seinem kleinen Bruder zurück…

Besonders muss ich an dieser Geschichte loben, dass es bei dem Autor nicht einfach nur „Gut und Böse“ gibt. Seine Figuren lassen sich nicht einfach so einer dieser beiden Seiten zuordnen. Vielmehr decken sie ein breites Spektrum ab und regen den Leser zum Nachdenken an. Dabei fand ich vor allem Samuel sehr berührend. Er muss so viel durchmachen und durch seine Ich-Perspektive werden sein Leiden und seine schweren Bürden so nah und greifbar, dass mir das Herz schwer wurde. Besonders berührend war dabei, dass er nie seine Hoffnung verloren hat, so wie es vielleicht bei vielen anderen der Fall gewesen wäre. Das macht Mut und geht einfach unter die Haut.

Besonders die schwere Thematik des Buches hat mich zudem beeindruckt. Jon Walter schafft es auf eindrucksvolle Weise uns Lesern, die aus einer ganz anderen Zeit entstammen, die schweren Bürden des jungen Samuel greifbar zu machen. Als freier Mensch geboren und dann all seiner Freiheit beraubt, sieht er sich damit konfrontiert als „niederer“ Mensch angesehen zu werden. Als dumm. Als weniger wert. Als jemand, der nicht einmal eine eigene Identität verdient hat. Jon Walters Buch ist bedrückend und nicht leicht zu lesen, trotz des Hoffnungsschimmers, den Samuel stets mit sich trägt.

Dennoch ist dies genau der richtige Weg, um das Leid und die schweren Lasten der Sklaven zu verdeutlichen und sie uns Lesern auf der Gefühlsebene zu übermitteln. „Mein Name ist nicht Freitag“ trifft hier wirklich mitten ins Herz und jagte mir Schauder über die Arme, wenn ich Samuel auf seinem schweren Weg begleitete. Durch seine Worte hat der Autor es geschafft, mir alles bildlich vor Augen erscheinen und real wirken zu lassen. Gleichzeitig zeigt er in seinem Werk aber auch, wie wichtig es ist, nie den Mut zu verlieren.

Für Samuel sind seine Gespräche zu Gott hier eine große Hilfe. Mir waren sie manchmal etwas zu viel, aber ich habe durchaus ihren Sinn und ihre Bedeutung für den Jungen verstanden. Was ich sehr berührend fand war auch, dass er trotz der schweren Zeit noch Freundschaften schließt und seine Einstellung zum Leben nicht verliert. So zeigt „Mein Name ist nicht Freitag“ nicht nur auf, wie wichtig es ist, sich mit dem Thema Sklaverei auseinander zu setzen, sondern das Buch verdeutlicht auch, dass man sich nicht unterkriegen lassen sollte. Manchmal sollte man, wie Samuel, manches als Herausforderung sehen, der man sich stellen sollte. Auf diese Weise wird die Unterdrückung der Farbigen nicht zum einzigen Thema des Buches.

Fazit
Mit „Mein Name ist nicht Freitag“ hat Jon Walter ein Buch geschrieben, das zwischen Hoffnung und Bedrückung schwebt. Es verdeutlicht dem Leser die Bedeutsamkeit, sich mit dem Thema Sklaverei und den damit einhergehenden, unverzeihlichen Schwierigkeiten auseinanderzusetzen, denn das Leid, dass die Menschen erfahren ist für viele von uns unbegreiflich. Gleichzeitig vermittelt das Buch aber auch Mut, Hoffnung und die Botschaft, sich nicht unterkriegen zu lassen. Für mich war der einzige kleine Kritikpunkt, dass Samuel etwas zu häufig Zwiesprache mit Gott gehalten hat, auch wenn ich die Bedeutsamkeit hiervon verstehen konnte.
4 von 5 Sternen!

Reihen-Infos
Einzelband

Kommentare:

  1. Huhu Lauralein,

    deinen Kritikpunkt kann ich durchaus nachvollziehen. Das hätte mich wohl auch gestört, auch wenn ich verstehen kann, dass Samuel "Zuflucht" bei Gott sucht. Ich weiß aber dennoch nicht so wirklich, ob ich das Buch lesen soll.

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Hey Sandra!

      Ja, ich konnte Samuels Beweggründe ja auch nachvollziehen und verstehen und zu seinem Charakter passte es auch, aber es war mir manchmal einfach zu viel :) Woran liegt es, dass du noch unsicher bist? :)

      Liebe Grüße
      Laura

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    2. Zum einen liegt es an deinem Kritikpunkt, da ich den auch nicht so toll finde. Zum anderen liegt mir das Thema nicht ganz so. Ich bin eher für lustige Geschichten und vor allen Dingen fantastische.

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    3. Das kann ich nachvollziehen. Phantastik gehört zu diesem Buch ja auch nicht so wirklich dazu ;)

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  2. Hallo Laura <3,

    bei diesem Buch bzw. die darin behandelnde Thematik reizt mich zwar, aber ich bin sehr zwiegespalten, ob der von dir angesprochenen Zwiegespräche.

    Daher werde ich das Buch wohl eher an mir vorüberziehen lassen ;)

    Danke für deine schöne Rezi und liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hey Uwe!

      Du solltest dann vielleicht endlich mal "Die wirkliche Wahrheit" ansehen :) Das Buch könnte dir gefallen!

      Liebe Grüße
      Laura

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  3. Liebe Laura,

    ich muss zugeben, dass mich dieses Buch schon in der Vorschau extrem neugierig gemacht hat. Ich lese gerne Bücher, die mit dieser Thematik zusammenhängen.

    Witzig finde ich, dass wir uns letzten Endes an den selben Dingen stören XD Diese Zwiegespräche hätte ich auch nicht in diesem Ausmaße gebraucht. Aber abgesehen davon, fand ich es wirklich toll.

    Liebe Grüße
    Jacqueline

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    1. Huhu Jacqueline!

      Ich habe noch gar kein Buch zu diesem Thema gelesen, deswegen war das quasi "Neuland". Mir gefiel es auch richtig gut, vor allem diese Hoffnung, die transportiert wurde. Aber ja...die Zwiegespräche waren einfach nicht so ganz meins, auch wenn ich ihre Bedeutung und Wichtigkeit verstanden habe :)

      Liebe Grüße
      Laura

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