30. Juli 2014

[Rezension] - Phantasmen (Kai Meyer)






Verlag: Carlsen Verlag
Übersetzt von:
Reihe: Einzelband
Einband: gebunden
Seitenanzahl: 400
Altersempfehlung: ab 14
Preis: 19.90 € [D]
ISBN: 978-3-551-58292-8
Bildquelle: © Carlsen Verlag






Klappentext
"Eines Tages tauchten sie aus dem Nichts auf - die Geister der Toten. Millionen auf der ganzen Welt, und stündlich werden es mehr. Sie stehen da, bewegungslos, leuchtend, ungefährlich. An der Absturzstelle eines Flugzeugs, mitten in Europas einziger Wüste, warten zwei junge Frauen auf die Geister ihrer verunglückten Eltern. Rain hofft, die Begegnung wird ihrer jüngeren Schwester Emma helfen, Abschied zu nehmen. Auch Tyler, ein schweigsamer Norweger, ist auf seinem Motorrad nach Spanien gekommen, um ein letztes Mal seine große Liebe Flavie zu sehen. Dann erscheinen die Geister. Doch diesmal lächeln sie. Und es ist ein böses Lächeln." (Quelle: www.carlsen.de)
Gestaltung
Das Cover passt einfach perfekt zum Buch und seinem Inhalt! Die Gesichter könnten die Geister sein und das leicht verwischte ihr Totenlicht, das von den Geistern ausgeht. Es wirkt mystisch, geheimnisvoll und vor allem gespenstisch-gruselig! Daumen hoch!
Meine Meinung
„Phantasmen“ ist endlich mal ein Buch auf dem Buchmarkt, das hervorsticht. Nicht nur durch die außergewöhnliche Gestaltung, sondern auch durch seine Thematik und seinen Inhalt. Geister. Eigentlich nichts neues, aber Geister als Weltzerstörer aufgrund dessen fast die gesamte Weltbevölkerung stirbt oder sich mit dem Tod konfrontiert sieht? Neu und spannend! Hinzu kommt eine Organisation, die dunkle Machenschaften betreibt und von der man nur erahnen kann, was ihre Intentionen und Motive sind…

Geschrieben ist der Roman in der Ich-Perspektive von Rain, einem Mädchen mit roten Dreadlocks. Nicht gerade die typische Protagonistin, die man von anderen Romanen her kennt. Und genau das macht sie besonders. Sie ist leidgeprüft, hat von ihren Eltern, die immer nach Afrika flogen, nicht viel gehabt und hat in diesem Land selber schreckliches durchgemacht. Ihre Sorge für und Liebe zu ihrer kleinen Schwester Emma ist für den Leser immer spürbar und berührt. Auch Emma wächst dem Leser durch ihre frische Art sofort ans Herz, sie sagt gerade heraus was sie denkt, aber scheint irgendeine Krankheit zu haben, über die man nur spekulieren kann. Sie ist er rational, vernünftig und denkt immer logisch und ist Gefühlen gegenüber immun. Die beiden treffen auf Tyler, den Norweger, der die beiden in ein rasantes Abenteuer stürzt. Er ist mutig, stark und interessant gestaltet. Auf der einen Seite ist er seiner Freundin Flavie treu und hegt für sie noch Hoffnungen, aber auf der anderen Seite ist ihm die Hoffnungslosigkeit der Situation, in der sich die drei befinden, ständig bewusst, sodass er immer ein wenig zwiegespalten ist. Aber dennoch gibt er nie auf.

Neben diesen vielschichtigen Protagonisten, die einfach auch so besonders menschlich sind, bleiben auch die Nebencharaktere nicht auf der Strecke. Da gibt es den „Bösewicht“ Haven, der auch seine weichen Seiten hat, und seinen Boss „Whitehead“ oder auch einen Söldner-Arzt, der gegen aller Erwartungen nett zu Geiseln ist.

Besonders gut gefallen hat mir, dass die Charaktere im Laufe der Handlung eine Entwicklung durchmachen. Ist Rain zu Beginn traumatisiert, kann sie dieses Trauma im Laufe der Geschichte langsam ablegen und auch ihre Schwester Emma zeigt irgendwann Emotionen. Auch Tyler macht eine solche Veränderung durch und lässt wieder Menschen in sein Leben. Zudem gab es ganz seichte Andeutungen einer Liebesbeziehung zwischen Rain und Tyler, was mich als Leser immer wieder zum Lächeln gebracht hat.

Jedoch bleibt auch Raum für Spekulationen. Beispielsweise was für eine Krankheit Emma nun genau hat oder wie die genauen Hintergründe der Entstehung der Geister aussehen. Mich hat dies jedoch nicht so sehr gestört, da die Handlung an sich abgeschlossen wird und man sich als Leser nun selber noch Gedanken über die Szenarien und bestimmte Fakten machen kann. Ich mochte diese Tiefgründigkeit, da ich mich beim Lesen ab und zu dabei erwischt habe, wie ich mich gefragt habe „Wie würde ich in dieser Situation handeln?“. Und so ist es auch mit den offenen Fragen. Es lässt dem Leser Spielraum, sodass man sich seine eigenen Gedanken über den Inhalt machen kann.

Am besten hat mir jedoch gefallen, dass die Handlung so rasant und atmosphärisch dicht erzählt war. An so manch einer Szene setzte praktisch das Kopfkino ein und man sah(!) die Szene fast vor Augen, statt sie nur zu lesen. „Phantasmen“ sprüht geradezu vor Action und Spannung. Es passiert immer etwas und die Protagonisten geraten von einer Gefahr in die nächste. So kommt man als Leser nicht dazu, Luft zu holen, sondern muss einfach immer weiter lesen. Besonders die Kapitelenden waren immer so gewählt, dass es mir in den Fingern juckte umzublättern und gleich das nächste zu lesen, da man einfach wissen musste, wie es weiter geht. „Phantasmen“ hat wirklich Lieblingsbuch-Potenzial.

Fazit
„Phantasmen“ ist ein actiongeladener, spannender und vor allem rasanter Thriller, der durch das „Geister-Setting“ apokalyptische Züge in sich trägt und somit Abwechslung auf dem Buchmarkt bietet. Die Handlung ist so fesselnd und aufregend gestaltet, dass man „Phantasmen“ nicht aus der Hand legen kann. Hinzu kommen die menschlichen, vielschichtigen Charaktere, die voller Individualität sind und einfach nur bezaubern. Ein Roman, der Kopfkino entfacht und nicht eine Sekunde Langeweile aufkommen lässt. Einfach atemberaubend!
5 von 5 Sternen!
Reihen-Infos
Einzelband! :)

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