31. Dezember 2019

[Rezension-Laura] - Du wolltest es doch (Louise O'Neill)






Verlag: Carlsen Verlag
Übersetzt von: Katarina Ganslandt
Reihe: Einzelband
Einband: gebunden
Seitenanzahl: 368
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 18.00 € [D]
ISBN: 978-3-551-58386-4
Bildquelle: © Carlsen Verlag







Klappentext
"Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden herumkriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid?

Ein aufwühlendes, vielfach preisgekröntes Buch.“ (Quelle: https://www.carlsen.de)

Gestaltung
Der weiße untere Rand, aus dem rosefarbene Rosen emporranken, die ein wenig an eine altbackene Decke bei einer Großmutter erinnern, passen in meinen Augen gut zum Setting des Buches. Vor allem die nackten Mädchenbeine, auf denen in einem knalligen Rotton der Buchtitel geschrieben steht, heben sich vor diesem Hintergrund ab. Der Titel sieht so aus als sei er per Hand auf die Beine geschrieben und da er eine Art Schuldzuspruch ist, erhält das dargestellte Bild eine tiefergehende Bedeutung.

Meine Meinung
Ich hatte schon so viel von „Du wolltest es doch“ gehört, da das Buch unter den Buchbloggern ziemliche Wellen geschlagen hatte. Da es nun schon einige Zeit auf meinem Stapel ungelesener Bücher lag und ich Ferien hatte, habe ich beschlossen mich dem Buch zu widmen. Ich wusste, dass es eine Geschichte mit einer schweren Thematik ist. Eine Geschichte, die man beim Lesen nicht einfach so schnell verdauen kann. Darauf stellte ich mich also ein.

Und ich bin froh, dass ich schon mit einer solchen Einstellung und dementsprechend vorbereitet an „Du wolltest es doch“ herangegangen bin. In dem Buch geht es um Emma, die Opfer einer Vergewaltigung wurde und einen Filmriss hat. Sie erfährt jedoch durch Bilder von den Geschehnissen und sie erfährt Ablehnung und Abneigung ihrer Mitschüler, denn in deren Augen ist Emma selbst Schuld an den Vorfällen.

Bereits mit den ersten Seiten lernte ich Emma kennen, die äußerst hübsch und selbstbewusst ist. Sie machte es mir nicht leicht, sie zu mögen. Aber in gewisser Weise fand ich ihre Art cool, weil sie mal eine Hauptfigur ist, die hervorsticht und anders als andere ist. Durch ihre Erlebnisse ändert sich ihr Charakter verständlicherweise und sie wird geradezu apathisch. Ihre Gedanken und ihr Verhalten nach der schrecklichen Tat fand ich hervorragend dargestellt und ausgearbeitet. Mir ging Emmas Verhalten mehr als einmal tief unter die Haut. Mehr als einmal hatte ich Gänsehaut, weil ich so gut nachvollziehen konnte, wie sie sich fühlt. Auch ihren Entschluss am Ende des Buches konnte ich verstehen und ich fand es gut, dass es so ausgegangen ist, weil es in meinen Augen glaubwürdig war.

Besonders aufwühlend fand ich auch die gesamte Situation, in der sich unsere Protagonistin befand, denn sie ist eindeutig das Opfer, aber jeder aus ihrer Kleinstadt gibt vor, dass Emma verdient, was ihr passiert ist. Dass sie selber Schuld ist, weil sie sich freizügig anzieht. Genau hier greift „Du wolltest es doch“ ein Thema auf, das in unserer Gesellschaft aktuell und brisant ist, denn ist es wirklich angebracht, ein junges Mädchen als „Hure“ zu bezeichnen, wenn sie Opfer einer Vergewaltigung wurde? Das ist ein absolutes No Go. Genauso wie die Behauptung, dass eine Frau selber Schuld sei, nur weil sie sich hübsch anzieht.

Besonders dieses Thema und dass „Du wolltest es doch“ sich auf die Gefühlswelt und die Geschehnisse nach der Vergewaltigung fokussiert hat mir an dem Buch so gut gefallen. Es ist eine schwere Lektüre, keine Frage. Auch der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, da er sich etwas sperrig und altbacken liest und manches nur angeschnitten wird. Dennoch ist die Geschichte von Emma wichtig, da sie dem Leser vor Augen führt, wie Emma sich fühlt und dass es nicht richtig ist, dass offenes Verhalten und ein lockeres Outfit eine Einladung für eine solche Tat sind. Mich hat Emmas Geschichte aufgewühlt, aber auch für sich eingenommen, weil ich sie eindringlich erzählt fand und sie mich zum Nachdenken angeregt hat.

Fazit
Da ich schon davon gehört hatte, dass „Du wolltest es doch“ keine leichte Kost ist, bin ich dementsprechend vorbereitet in diese Geschichte gegangen. Sie befasst sich mit der Zeit nach einer Vergewaltigung und dem Thema, wie man Frauen behandelt. Mich hat die Geschichte wirklich ergriffen und in einen Sog gezogen, dem ich nicht so leicht entkommen bin, da „Du wolltest es doch“ wichtige Themen anspricht, die zum Nachdenken anregen.
5 von 5 Sternen!

Reihen-Infos
Einzelband

Kommentare:

  1. Ah, das Buch liegt schon so so lange auf meinem Wunschzettel. Schön, dass es dir so gut gefallen hat, ich sollte es mir wirklich mal kaufen :)

    Liebe Grüße,
    Lara von fairylightbooks

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    Antworten
    1. Hey Lara!

      Ich hatte es auch gefühlte Ewigkeiten auf meinem SuB, bevor ich es endlich gelesen habe! Ich kann es dir nur wärmstens empfehlen, damit du es dir kaufst ;)

      Liebe Grüße
      Laura

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