24. Juli 2019

[Rezension-Laura] - Becoming Elektra (Christian Handel)






Verlag: Ueberreuter Verlag
Übersetzt von: -
Reihe: Einzelband
Einband: gebunden
Seitenanzahl: 416
Altersempfehlung: ab 14
Preis: 17.95 € [D]
ISBN: 978-3-7641-7094-3
Bildquelle: © Ueberreuter Verlag







Klappentext
"Als die junge und schöne Elektra Hamilton bei einem Reitunfall ums Leben kommt, erhält Isabel ein unerwartetes Angebot. Sie, die Elektra wie aus dem Gesicht geschnitten ist, soll deren Platz einnehmen. Sie muss lediglich für immer verschweigen, wer sie wirklich ist. Ein Leben in Luxus winkt ihr - und die Verlobung mit dem attraktiven Phillip von Halmen. Zunächst scheint keiner Verdacht zu schöpfen. Doch Elektra hatte eigene Geheimnisse und während diese sie langsam einholen, wächst in Isabel die Gewissheit, dass Elektras Tod kein Unfall war. Wer trachtete Elektra nach dem Leben? Und wird der Mörder erneut zuschlagen? Isabel weiß nur, dass sie keinem trauen kann ...“ (Quelle: https://www.ueberreuter.de)

Gestaltung
Vor allem die Farben und die Lichteffekte gefallen mir an dem Cover richtig gut, denn das frische Blau lässt das dunkle Rot des Kleides noch mehr strahlen. Durch die Lichteffekte scheint das Kleid mit Goldstaub bestreut zu werden und das Blau zu changieren. Die schwarze Dornenranke vor dem Kleid ist ein Detail, das man bei genauerem Hinsehen erkennt und das dem Cover eine interessante Note verleiht, da sie darauf hinweisen könnte, dass die Handlung auch gefährlich ist. Dadurch dass die Frau im Kleid gespiegelt wurde, wird der Titelschriftzug in der Mitte schön betont.

Meine Meinung
Geheimnisse? Ein Mord? Zweifel überall? Das ist der perfekte Lesestoff für mich! So ungefähr klangen meine Gedanken beim Lesen des Klappentextes. Kaum lag „Becoming Elektra“ in meinen Händen, hatte ich es auch schon aufgeschlagen und gefühlt inhaliert. In dem Buch geht es um Isabel, die der verstorbenen Elektra wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Sie bekommt das Angebot, Elektras Identität anzunehmen. Isabels Identitätswechsel wäre so viel einfacher vonstattengegangen, hätte Elektra nicht einige Geheimnisse gehabt. Doch das ist nicht alles: Isabel vermutet, dass Elektras Tod kein Unfall war, sondern Mord…

Erst kürzlich las ich ein Buch, das sich auch mit der Thematik des Wechsels von Identitäten beschäftigte. Doch das Konzept von „Becoming Elektra“ hat mir viel, viel besser gefallen, da es Erklärungen für die Ähnlichkeit liefert und zum Nachdenken anregt. Auch fand ich es klasse, wie auf dieses Thema eingegangen wurde und wie es im Buch behandelt wurde, da verschiedene Aspekte der Thematik beleuchtet wurden. Die Idee hinter der Ähnlichkeit von Isabel zu Elektra (über die ich hier aus Spoilergründen nichts Näheres verraten möchte) fand ich unglaublich interessant und futuristisch. So bekam die Geschichte auch leicht dystopische Züge, was mich richtig begeistert hat.

Zudem kamen mit Isabels Identitätsübernahme von Elektra Themen wie Selbstfindung und Selbstzweifel in die Geschichte hinein. Je länger Isabel die Rolle von Elektra spielt, desto unsicherer wird sie sich ihres eigenen Selbst. So durchläuft sie einige Sinnkrisen, die der Autor für mich sehr verständlich und anschaulich beschrieben hat. Sowieso konnte ich mich durch den Erzähl- und Schreibstil des Autors gut in die Geschichte einfinden, da sie aus der Ich-Perspektive geschildert wird und ich so direkten Zugang zu den Gedanken der Protagonistin hatte. Auf diese Weise fiel es mir leichter, ihre Gefühlswelt zu verstehen und zu erkennen, was sie bewegt oder verunsichert.

Isabel ist verständlicherweise zunächst ziemlich überfordert mit Elektras Leben und als wäre das nicht genug, ist Elektras Mörder später auch hinter ihr her. Sie lebt mit dem ständigen Gedanken, dass sie niemandem trauen darf und kann. Und genau das ist es auch, was auch dem Leser stets durch den Kopf schwebt. Ich habe alles hinterfragt, jede Handlung und jede Aussage der Charaktere, sodass ich wirklich an den Seiten klebte. Die verborgenen Geheimnisse sorgen für riesige Spannung und weckten meine Neugierde, mehr herausfinden zu wollen. Ich fand es dabei auch klasse, wie diese Unsicherheit auch gezeigt hat, dass hinter manchen Menschen mehr steckt, als man zunächst denkt.

Isabel fand ich zudem auch richtig sympathisch, denn sie ist klug, nachdenklich und loyal. Gerade angesichts ihrer Geschichte (die etwas mit dem zuvor angedeuteten Hintergrund zu ihrer Ähnlichkeit mit Elektra zutun hat) ist ihre Entwicklung absolut mitreißend. Ihren bzw. Elektras Verlobten Phillip mochte ich total gerne, denn er war so bemüht um Isabel, was mir sehr zu Herzen ging. Dann gibt es da noch Hektor, der sein wahres Ich hinter einer gewissen Distanz verborgen hat und dessen Charakter einfach unter die Haut geht.

Fazit
Mit „Becoming Elektra“ hat Christian Handel eine moderne Geschichte über Identität und spannende Geheimnisse geschrieben, die vor allem durch die Zweifel und die Rätsel für einen intensiven Lesesog sorgt. Die Idee für die Ähnlichkeit der Protagonistin mit Elektra fand ich sehr fesselnd und das damit verbundene futuristische Thema hervorragend umgesetzt. Der Schreibstil von Christian Handel ist dabei schnörkellos einfach und genau zur Geschichte passend, wobei durch die Erzählperspektive eine schöne Nähe zur Protagonistin erzeugt wird. Mich haben gerade die Geheimnisse und die Zweifel, wem man trauen kann, in die Geschichte gesogen!
5 von 5 Sternen!

Reihen-Infos
Einzelband

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